Ist ein SL-Outfit 15.000 L$ wert?
Ich mag Kunst im Mode-Design in Second Life.
Ich mag SL-Designer, die aufwendige, phantasievolle, im besten Sinn “unmögliche” Kleider in SL schaffen. Kleidung, Outfits, die für mich das wiederspiegeln, was SL ist und sein kann: Eine Spielwiese für alle, die die Möglichkeiten, die SL bietet, entdecken und voll ausschöpfen wollen. Für die, die ihrer Kreativität im realen Leben nicht, aber in SL Raum geben können. Und manchmal finden sich in Sl auch Kreative wie Sevenstar Amat, die auch im realen Leben eine durchaus erfolgreiche Künstlerin ist.
Ein besonderes Beispiel für Kunst in SL ist das Label “Alpha.tribe”, über das ich schon mehrfach berichtet habe. “Alpha.tribe” geht weniger in Richtung Mode, eher in die künstlerische Gestaltung ganzer Figuren – auf den ersten Blick völlig abgedrehte Kreationen, immer themenbasiert, zu angemessenen Preisen.
In eine ganz andere künstlerische Richtung geht Soraya Vaher mit ihrem Label “Violator”. Hier sieht man eher den Bezug zu realer Couture, ein wenig in die Richtung Jean Paul Gaultier, abseits von ausgetretenen Modepfaden.
Gestern blieb ich bei “Violator” vor einem Outfit stehen, das mir sehr gut gefiel. “Eva and the snake”. Ich schaute nach dem Preis und erschrak: 15.000 L$. Sofort schrieb ich Soraya an und fragte, ob der Preis möglicherweise ein Irrtum sei.

Es war kein Irrtum. Minx Glaz – er hat mir erlaubt, ihn hier zu zitieren – antwortete auf meine Frage wie folgt:
“Ich (Minx) antworte anstelle von Soraya, da ich sowohl ebenfalls Deutsch spreche als auch ohnehin zumeist fuer die Preisgestaltung verantwortlich bin.
Der von dir angesprochene Preis ist durchaus bewusst gewaehlt und setzt sich aus verschiedensten Kriterien zusammen.
Eine der wichtigsten: Sowohl “Eva and the Snake” als auch “The Castigation of Venus” sind weniger fuer den Massenmarkt gedacht als eher fuer Kunden, die einerseits echtes und anspruchsvollstes Design erkennen/schaetzen (bzw. denen halt einfach die Kleider gefallen) als auch potentiell fuer eine “limited Edition” in Frage kaemen.
Fuer den gehobenen Fashionmarkt in dem wir zugange sind, laege so eine “limited Edition” zwischen $10.000 und $50.000 Linden. Wir wollten allerdings aus verschiedenen Gruenden keine Limits, sondern eher einen Kompromiss. Damit ist es also tatsaechlich billiger als es sein koennte, umgekehrt spielt immer noch ein darueber ausgeregelter Kundenschutz eine Rolle, der eine zu inflationaere Verbreitung verhindert – der Sinn einer “limited Edition”.”
Aus diesem Blickwinkel verständlich und nachvollziehbar.
Aber: Die, die in SL bereit und in der Lage sind, viel Geld für Mode auszugeben, geben es vermutlich nur in den seltensten Fällen für ein nicht einmal limitiertes Kleidungsstück wie “Eva and the snake” aus.
Für ein Stück virtuelle Mode von der virtuellen Stange soll man tatsächlich fast 60 US-Dollar oder fast 60 Euro ausgeben wollen? Ein Betrag, für den man sich für eine Woche den Kühlschrank zu Hause voll machen kann. Ein Betrag, für den man mit seinem Liebsten beim Italiener ein tolles Essen mit allem Pipapo bekommt oder dem Kind die Monatskarte für die Fahrt zur Schule finanzieren kann. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.
Natürlich: Im realen Leben kann man auch sagen, warum soll ich zig Tausende von Euro für ein Kleid eines französischen Modehauses ausgeben, wenn ich dafür ….. bekommen kann? Selbst wenn ich die finanziellen Möglichkeiten hätte, es zu tun – ich würde es nicht. In SL habe ich die finanziellen Möglichkeiten und tue es auch nicht.
Ich glaube, dass eine solche Preisgestaltung, wie “Violator” sie macht, nicht in der Erwartung vorgenommen werden kann, mit einem derartigen Angebot wirklich nennenswerten Umsatz generieren zu können.
Ich bin sehr gerne bereit, etwas mehr für gute Angebote in SL zu zahlen und damit die viele Arbeit, die darin steckt, angemessen zu entlohnen.
Mir sind die SL-Schneider letztlich lieber, die ihr Können etwas “humaner”, – aus meiner Sicht angemessener – unter Beweis stellen.
Was hätte ich mit “Eva and the snake” eigentlich machen können? Ein Foto. Ein bisschen mit Photoshop spielen. Ein Foto für 60 Euro.





Ich denke, da ist mehr Werbung drin als sich auf den ersten Blick offenbart. Durch diese Preisgestaltung bzw Argumentation wird das Label als auch das Produkt ins Licht des Interesses gesetzt. Mit dem Ziel einer Diskussion und erhöhten Besucherzahl, die dieses Ding der “Un”-Möglichkeit gerne selbst ins Auge fassen möchten.
Anonym
21. Mai 2010 um 11:40
Mir kommt es absolut nicht darauf an, ob dieser Blogeintrag einen werbenden Effekt hat oder nicht.
Aber es ist schön, wenn sich Leser den Shop selbst einmal anschauen, um sich ein Bild zu machen und wenn daraus Käufe resultieren, feut mich das für wirklich für Soraya und Minx.
momola
21. Mai 2010 um 12:18
Es ist natürlich die Entscheiung eines jeden Einzelnen, wofür man sein Geld ausgeben will. Aber 15.000$L für ein virtuelles Outfit?? Nein danke, das überlasse ich anderen. Ich halte es auch für völlig überzogen. So überzeugend kann kein Item sein. Und künstlich erzeugtes Elite-Gehabe brauche ich für mein Ego nicht.
Da nehme ich doch lieber die Linden und überlasse sie der Shelter-Box.
Und den shop muss ich mir auch nicht anschauen.
(Kurze Frage am Rande: Wo finde ich den Italiener? Das zahle ich bei meinem pro Person, wenn`s mal was besonderes sein soll ;) ).
Cherie Loxingly
21. Mai 2010 um 20:15
Bei meinem Italiener reichts für leckere Piccata Milanese, Tiramisu hinterher, ne Flasche roten und Cappucino :)
momola
21. Mai 2010 um 20:20
Ok, die Rechnung geht auf :)
(ich krieg Hunger)
Cherie Loxingly
21. Mai 2010 um 20:24
Also im Vergleich zu anderen gehobenen Preisen für Mode in SL sind m. E. die 15.000 auch viel zu hoch. Und auch ganz bestimmt kein Betrag, den ich jemals dafür bereit wäre zu zahlen.
Aber mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Es ist nicht einfach nur damit getan, ein Photo in ein paar Minuten in Photoshop zu bearbeiten, hochzuladen und dann zu verkaufen. Für aufwendige und qualitativ hochwertige Creationen bedarf es schonmal einige bis sehr viele Stunden, um die einzelnen Templates zu gestalten. Dann braucht man meist Zubehör, dass man entweder kauft oder wiederum in stundenlanger Arbeit selber herstellt (z. B. Sculpties) und dann noch texturiert. Ausserdem gibts da noch upload Kosten, Mieten, Tier usw… die ein Shopowner bezahlen muss.
Und aus dieser Perspektive betrachtet, ist der Preis eigentlich schon gerechtfertigt. Auch wenn aller Wahrscheinlichkeit nach kaum jemand bereit ist, diesen zu zahlen.
Das hier ist sicherlich ein extremes Beispiel. Aber ich finde es immer wieder ärgerlich, wenn Kunden, bei ohnehin schon günstigen Preisen, anfangen zu feilschen. Hatte ich letztens bei einem 10 L$ Artikel. Den wollte jemand für seinen Alt von mir geschenkt bekommen – er hätte ihn ja schon einmal gekauft. Und fing dann tatsächlich auch an, verbal rumzupöbeln, als ich ihm das verweigerte.
Ich bin jemand, der sehr viele sehr günstige hochwertigen Artikel anbietet – und die meisten Kundinnen freuen sich drüber und bedanken sich bei mir. Aber gibt immer noch viele, die das auch noch gratis wollen und denen 10 L$ für ein komplettes Outfit inkl. Schuhen, Gürtel, Strümfen usw… immer noch zuviel sind. Finde ich sehr schade, ist wohl aber nur ein Spiegel von RL und seiner Geiz ist Geil Gesellschaft.
Viviane Hobble
25. Mai 2010 um 09:00
Du schreibst, Viviane: “Es ist nicht einfach nur damit getan, ein Photo in ein paar Minuten in Photoshop zu bearbeiten, hochzuladen und dann zu verkaufen. Für aufwendige und qualitativ hochwertige Creationen bedarf es schonmal einige bis sehr viele Stunden, um die einzelnen Templates zu gestalten. Dann braucht man meist Zubehör, dass man entweder kauft oder wiederum in stundenlanger Arbeit selber herstellt (z. B. Sculpties) und dann noch texturiert. Ausserdem gibts da noch upload Kosten, Mieten, Tier usw… die ein Shopowner bezahlen muss”
Dass sorgfältige Arbeit einen enormen Zeitaufwand bedeutet, ist völlig klar – da hast du Recht. Es hat ja auch niemand behauptet, dass besonders für solche Kreationen ein Foto ratzfatz bearbeitet, hochgeladen und die Klamotte dann verkauft wird.
Der Kauf von Zubehör, die Notwendigkeit Sculpties herstellen zu müssen, Uploadkosten, Tier – das alles rechtfertigt einen derart hohen Preis für ein Kleid, das nicht mal ein besonderes Einzelstück ist, definitiv nicht. Wir reden hier über 15.000 L$ = 60 Euro = 60 US-Dollar.
Ich bin bereit, im Einzelfall für ein Kleid, das mir besonders gut gefällt, auch mal bis 5.000 L$ springen zu lassen. Das ist zwei, drei Mal bisher vorgekommen und ich hab ich mich hinterher gefragt, ob ich noch ganz dicht bin. Ich werd mal deutlich: Wer 15.000 L$ für SL-Massenware als Anbieter verlangt und als Kunde zahlt, braucht sich das nicht zu fragen. Die Antwort liegt auf der Hand.
Für eine Einzelanfertigung ist der Preis gerechtfertigt und in Ordnung.
Dass es Kunden gibt, die auch bei kleinsten Beträgen schon handeln oder vom Creator gar die kostenlose Herausgabe von Sachen fordern, hab ich schon öfter gehört.
Sowohl das eine, als auch das andere ist – ich will es mal drastisch formulieren, eine Unverschämtheit. Ich würde mich da gar nicht auf Diskussionen oder gar Erfüllung solcher Forderungen einlassen und würde demjenigen eine NC schicken, in der ich ein paar Fakten über die arbeitsintensive Herstellung von SL-Kleidung und die Kosten, die man als Anbieter zu zahlen hat, zusammentrage und fertig.
momola
25. Mai 2010 um 10:03