Momos Blog

Second Life und alles, was mir so einfällt

Kino: Heinrich Breloers “Die Buddenbrooks”

mit 4 Kommentaren

Lieber Herr Breloer,

bei allem Respekt vor Ihrer Arbeit, Ihren fantastischen Filmen und vor allem vor Ihrer Thomas Mann-Sachkenntnis, aber DAS – Ihre Buddenbrooks-Neuverfilmung – geht, wie ich fürchte, in die Hose:

Die Buddenbrooks-Verfilmung aus dem Jahr 1979 von Franz Peter Wirth mit Leuwerik, Solf, Degen, Benrath, Kraeft – um nur einige der grandiosen Darsteller zu nennen – ist unerreicht in ihrer Bildgewalt, den Emotionen, die sie transportiert und den schauspielerischen Leistungen.

Iris Berben als Elisabeth Buddenbrook und Jessica Schwarz als Tony Buddenbrook  sehen trotz der fantastischen Kostüme – verzeihen Sie mir – gelinde gesagt völlig deplatziert in Ihrem Film  aus. Diese Rollen gehören großen Charakterdarstellerinnen und jeder, der Wirths Film gesehen hat, wird immer  Ruth Leuwerik und Reinhild Solf mit ihnen vergleichen und im günstigsten Fall amüsiert über die von Ihnen und der Produktionsfirma gewählte Besetzung sein.

Sicher ist es ihr Bestreben, klassische Literatur – Thomas Mann – jüngeren Zuschauern mit bekannten Namen näher zu bringen, aber Berben und Schwarz sind keine (möglicherweise noch keine) Gesichter für klassiche Literaturverfilmungen. Die beiden haben sich (wie im Übrigen auch Veronica Ferres) in der Film- und Fernsehlandschaft zu wenig rar gemacht – ihre Gesichter sind filmisch verbraucht. Beide sind durch ihre häufige TV-Präsenz unglaubwürdig und damit für anspruchsvolle Rollen, die auf solch großartige Literatur wie “Die Buddenbrooks” basieren, nicht wirklich tauglich. Auch wenn sie – noch – gute Quoten im Fernsehen versprechen.

Jean Buddenbrook mit Armin Mueller-Stahl zu besetzen war sicher eine kluge Entscheidung und verhindert eine (hinsichtlich der Besetzung) Untauglichkeit des Films.

Dennoch: Alles Gute und viel Erfolg.

Geschrieben von momola

26. Dezember 2008 um 14:06

Veröffentlicht in Querbeet

4 Antworten

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  1. Huhu Momo,

    ich hoffe, Du hattest vergnügliche Weihnachten :-)).

    Ich stimme Dir vollkommen zu, was die Damen Berben und Schwarz angeht. Sicher beides gute Schauspielerinnen für “Alltagsfilme” aber für grosse Literaturverfilmungen ein wirkliches “No Go”! :-).

    Allerdings finde ich auch A. Muller-Stahl in der Rolle des allmächtigen Jean Buddenbrook nicht wirklich gelungen (Allerdings fällt mir bei dieser Rolle eigentlich gar kein deutscher Schauspieler ein, der diese Rolle derzeit glaubwürdig besetzen könnte).
    Unvergessen für mich auch Gerd Böckmann als Christian.

    LG
    Kalli

    Kalliope

    28. Dezember 2008 um 17:42

  2. Jaaaa, Danke Kalli, Weihnachten war schön, gemütlich, entspannt. Hoffe, bei Dir auch :-))

    Schon richtig, Müller-Stahl ist möglicherweise auch nicht die erste Wahl. Ich denke schon den ganzen Abend darüber nach, wen ich mir für die die Rolle als Idealbesetzung vorstellen könnte und mir fällt niemand ein.

    Weißt Du, ich glaube, heute findet man die wirklich guten Schauspieler fast nur noch in Theatern. Die lassen sich nicht im Fernsehen und kaum in Kinofilmen verheizen.

    Die guten, charismatischen Schauspieler, die wir in den siebziger, achtziger Jahren hatten, hatten bei ARD (einer der Geldgeber des Breloer-Films) und ZDF ganz andere Möglichkeiten, als heute. Das Geld für die aufwendige Verfilmung guter Stoffe war da, die Produzenten und Regisseure hatten viele Raum auch für die Entwicklung eines Films beim Dreh.
    Heute muss – zumindest fürs Fernsehen – ein 90-Minüter hochkarätig besetzt mit imposanten Motiven und dollen Special effects in bitteschön möglichst weniger als 20 Tagen abgedreht sein und darf – aus Sicht der Sender – mehr als gerne weniger als eine Million kosten. So lässt sich nur schwer Qualität produzieren und unter solchen Voraussetzungen lassen sich gute, arrivierte Schauspieler nicht für solch einen Film verpflichten.

    Ich halte Armin Mueller-Stahl absolut für einen hervorragenden Schauspieler – kennst Du den Film “Music Box”, in dem er neben Jessica Lange eine Hauptrolle spielt? Wenn nein: Unbedingt anschauen. Lohnt sich.

    momola

    28. Dezember 2008 um 22:20

  3. *lach
    Eigentlich war Weihnachten, zumindest “Heiligabend” eher frustrierend.
    Seitdem mein Vater verstorben ist, hat es sich eingebürgert, dass das Weihnachtsessen bei mir (also bei uns) stattfindet. Leider hat den Rest der Familie in diesem Jahr der Norovirus heimgesucht. Und da sie hofften es geht bis 19.00h vorbei (;-), haben sie erst um 18.25h angerufen, dass sie alle krank sind. Ich war gerade mit Tischdecken fertig und dabei mich “aufzubrezeln”, das Weihnachtsessen köchelte vor sich hin (und ich koche gerne, wenn ich Zeit habe). Dachte, ich beisse in den Tisch *lach
    Ende vom Lied: ich habe mich mit dem kalt gestellten Rose Champagner und dem auf exakte Zimmertemperatur vorgewärmten Grand Cru tierisch besoffen. Boah tat ich mir leid (und mein mich liebender Gatte sich dann auch *grins).
    Aber ansonsten war es dann sehr lustig, zumindest später (am nächsten Morgen dann weniger, mein Schädel war grausam).
    Aber zum Thema. Gute Schauspieler, also richtig gute, gibt es heute leider aus den von dir benannten Gründen kaum noch. Ich denke gerne an einen Quadflieg, einen Kieling, Werner Lamprecht usw. zurück. Bei den Frauen fällt mir besonders Ida Ehre ein (als ich ein junges Mädchen war (*lach) habe ich sie dank meiner Mutter mal in den Hamburger Kammerspielen gesehen. Einfach fantastisch.
    Ich will ja nicht sagen, dass früher alles besser war, aber zumindest anders. Die heutige Fernsehunterhaltung ist mir einfach zu platt. Und das meine ich noch nicht mal “hochnäsig”. ARD und ZDF müssen sich wohl dem Trend der Privaten anpassen. Aber mir platzt manchmal der Kragen, wenn ich ne Vorschau für das Traumschiff sehe (gibts das überhaupt noch???) und dann feststellen muss, dass man grottenschlechte Schauspieler auf meine Gebühren (*g) in die Karibik oder sonst wohin karrt!:-)
    Wieder abeschwiffen.
    Thematik vom A. M-S. Film kling interessant (Music Box). Werde ich mir bestimmt mal anschauen.
    So, morgen habe ich noch frei. Dienstag muss ich arbeiten (wat`n Blödsinn), Freitag wieder frei. Mein Urlaub in der 1. Januarwoche gestrichen :(.
    LG und guten Rutsch
    Kalli

    Kalliope

    28. Dezember 2008 um 23:29

  4. LOL…. Na, Dein Heiligabend war ja wirklich aufregend. Den ganzen Tag Arbeit und dann eine Absage…. Armes :-))

    Ja, das Traumschiff gibt es noch – einmal im Jahr eine neue Folge. Aber glaub mir: durch Sponsoring und Verkauf der Serie ins Ausland sind Deine Gebühren trotzdem gut angelegt :))

    momola

    29. Dezember 2008 um 07:45


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