Momos Blog

14. Juli 2008

Die Geschichte meiner Lieblingskette

Gespeichert unter: Über mich — momola @ 11:39

Vor ein paar Wochen hat mich jemand gebeten, doch mehr über mich in meinem Blog zu schreiben, damit man mich ein bisschen besser kennenlernen könnte.

Hm… Klasse….

Sowas wie “Ich bin die Hildegard M. aus W., 27, verh., lebe in einer Zweiraumwohnung, bin Hausfrau und habe vier Kinder” (NEEEEIN !! ALLES LÜGE) wird’s von mir nie zu lesen geben. Umfangreichen Seelenstriptease Marke Dr. Sommer erst Recht nicht.

Was ich machen kann, ist hie und da eine Geschichte aus den verstaubten Ecken meines Lebens zu zerren und euch zu erzählen (Eine kennt ihr ja schon – die Geschichte über Mascha Jirsa).

Heute erzähle ich euch die Geschichte meiner Lieblingskette.

Sie begann vor …. grübel….. so 23 Jahren. Da begegnete mir beruflich das erste Mal Chris Lohner. Eine beeindruckende, schöne Frau mit einer fantastischen Ausstrahlung, feuerrotem Haar, sprühendem Charme und herrlicher unaufgeregter Natürlichkeit – trotz all ihrer Bekanntheit, die sie zu dieser Zeit in Deutschland unter denen, die öfter mal 3sat schauten, hatte. Ich hatte richtig gern mit ihr zu tun. Eine von wenigen in der Öffentlichkeit stehenden Personen, die nicht viel Tamtam um sich machten und machen.

Eines Tages begegneten wir uns in der Firma, begrüßten uns fröhlich-freundschaftlich wie immer und dann blieb mir bei Chris Lohner’s Anblick buchstäblich die Spucke weg. Chris trug zu einem ganz schlichten, einfarbigen schmalen Kleid eine Kette, die einfach wunderschön war.

Ich sagte nichts – ich finde nichts schlimmer, als Frauen, die beim Anblick eines Kleidunggstücks an einer anderen Frau in kreischendes Entzücken ausbrechen und so tun, als müssten sie sterben, wenn sie nicht auf der Stelle heraus bekommen, wo es zu bekommen ist. NIEMALS hatte ich vorher in meinem Leben irgendwen gefragt, wo er/sie was her hatte, um es dann selbst zu kaufen.

Seufz. Was soll ich sagen: Die Kette ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Eine kurz unter dem Hals endende Kette aus dicken (nicht echten) Perlen an deren Mitte eine lange schmale goldene Hand (befestigt an der Spitze des Mittelfingers) hing, an deren Handgelenk wiederum mehrere Schnüre kleiner Perlen befestigt war, die aussahen wie Armbänder.

Ich wollte nichts sehnlicher, als diese Kette und sah mich schon in schwarzer Jeans, schwarzem Rolllkragenpullover und dieser Kette. Ja, ich träumte wirklich davon, diese Kette zu haben, koste es, was es wolle.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte Chris Wochen später, als wir uns das nächste Mal sahen, ob sie mir verraten würde, wo sie die Kette gefunden hat - sie sei wirklich wunderschön. Ich glaube, ich wurde gleichzeitig knallrot, blass und grün im Gesicht, als ich das rausstammelte. Ich war furchtbar verlegen und es war mir so unendlich peinlich…. Sie freute sich ehrlich über das Kompliment und sagte sofort, dass die Kette von “Moschino” sei und dass sie sie in Wien in einem Geschäft ihrer Freundin gekauft habe. Sie wisse aber nicht mehr, ob es diese Kette noch gibt.

Ich bedankte mich und dachte Im selben Moment ”Lass nur, ich werde ALLES in Bewegung setzen um diese Kette zu finden”. Gesagt, getan. Es gab damals, wie ich herausfand, in Deutschland zwei Geschäfte – eines in Hamburg und eines in München – in denen “Moschino”-Modeschmuck angeboten wurde. In beiden Geschäften wusste man genau, als ich anrief, welche Kette ich meinte, aber bei beiden Telefonaten erhielt ich die Auskunft, dass die Kette vor zwei Jahren herausgekommen und mittlerweile nicht mehr erhältlich sei. Auch diese für mich niederschmetternden Information brachte mich noch nicht dazu aufzugeben und so versuchte ich herauszufinden, wo in Italien der Firmensitz von “Moschino” ist. Also in Mailand angerufen und in englisch vorgetragen, dass ich sterben würde, wenn …. “No, Signora, we are very sorry….”

Seufz…. Das war’s dann also: Tschüss, mein Traum von einer Kette, Leb wohl, auf Nimmerwiedersehen.

Ich hatte ehrlich die ganze Angelegenheit vergessen und war völlig perplex, als Chris mich bei ihrem nächsten Besuch ansprach und sich erkundigte, ob ich die Kette ergattern konnte. Allein, dass sie sich erinnert hat, dass ich sie danach fragte, fand ich toll und supernett fand ich, dass sie sich erkundigte, ob es geklappt hat. Ich erzählte ich von meiner Suche und den Anrufen und wir lachten uns kaputt.

Sie sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, sie werde ihre Freundin fragen, wie sie sie bekommen hat und vielleicht……

“Ach”, dachte ich, “das klappt sowieso nicht. Das hat sie nur so gesagt. Schreib es ab, vergiss es, es gibt Wichtigeres”. Hab ich auch…. Bis eines Tages Chris wieder vor mir stand. Wir tauschten das aus, was beruflich wichtig war. Sie war die ganze Zeit ein bisschen unruhig. Ich wunderte mich und fragte mich schon, was los sei.

Mit roten, aufgeregten Backen schwang sie ihre große Tasche auf den Tisch, griff hinein, hielt inne, schaute mich an und wisperte bedeutungsvoll ”Ich habe sie”….. “Ahhhh ja”, dachte ich “völlig klar”, Nicht im Entferntesten rechnete ich damit, was dann geschah. Chris zog aus den Tiefen ihrer Tasche ein flaches, goldfarbenes quadratisches Päckchen mit schwarzer “Moschino”-Aufschrift.

Ehrlich, ich war und bin nie jemand von dieser Kreischfraktion gewesen, aber ich musste schwer an mich halten, um nicht in exakt dieses Kreischen auszubrechen. Ich hatte sicher keinen Tropfen Blut mehr im Gesicht vor lauter Aufregung.

Chris hatte in Wien meine Traumkette bei ihrer Freundin für mich besorgt und mir mitgebracht.

Ich kann euch nicht sagen, was für ein tolles Gefühl das war, als ich die Schachtel öffnete und die Kette sah. Dass man über so etwas so glücklich sein und sich dermaßen darüber freuen kann.

Es gibt in der Serie “Jakob und Adele” (eine meiner Lieblingsserien aus den siebziger Jahren) eine Szene, in der (wenn ich sie richtig im Kopf habe) Carl Heinz Schroth und Brigitte Horney vor dem Schaufenster eines Juweliers stehen. Adele zeigt auf einen Ring, der ihr sehr gut gefällt. Auf die Frage von Jakob, warum ihr denn ausgerechnet der Ring so gut gefalle, antwortete sie leise “Er spricht mit mir”.

Genauso ging und geht es mir noch immer mit dieser Kette. Sie war selbst für Modeschmuck irre teuer, aber nie war mir etwas so egal, wie der Preis dieser Kette.

Und immer wird diese Kette mit einem meiner nettesten beruflichen und menschlichen Erlebnisse - sie wird immer mit Chris Lohner verbunden sein.

Wenn mein Internet-Anschluss zuhause wieder funktioniert, knipse ich die Kette mal und häng ein Bild davon hier rein.

Hier ist es: http://momola.wordpress.com/2008/09/18/die-geschichte-meiner-lieblingskette-nachtrag/

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